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"Flüchtlinge Willkommen"

Wie eine Idee aus Wedding zum Welterfolg wurde

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Foto: Flüchtlinge Willkommen / Jean-Paul Pastor Guzmán, Lars van den Brink

Während viele den Begriff „Flüchtlinge” schon nicht mehr hören können, findet ein Projekt, das einst spontan in einer WG in Berlin-Wedding entstand, Nachahmer in der ganzen Welt

Wenn man es küchenpsychologisch betrachtet, gibt es im Jahr 2017 zwei Arten von Menschen in Deutschland: die, die aufgrund der vielen Flüchtlinge (und der vielen dramatisierenden Berichte über sie) Angst haben, das Abendland könnte bald untergehen; und die, von denen man zufällig erfährt, dass sie selbst einen Flüchtling bei sich zu Hause aufgenommen haben.

Eine Hilfe für viele, die selbst Geflüchtete bei sich aufgenommen haben, war die Initiative „Flüchtlinge Willkommen”. Gegründet im Herbst 2014, hilft es vor allem WGs in Deutschland dabei, Geflüchtete als Mitbewohner aufzunehmen. Es führt Interessierte auf beiden Seiten zusammen, prüft wer zueinander passt und hilft beim Gang durch die Behörden.

Fast 400 Vermittlungen allein in Deutschland

Fast 400 Mal hat so eine Vermittlung allein in Deutschland seitdem geklappt. Und es könnten noch deutlich mehr sein, wenn mehr Menschen das Projekt kennen würden und nicht so viele durch die mediale Dauerbeschallung über die „Flüchtlingskrise” die Nase voll von dem Thema hätten.

Nach einer geballten Ladung von Presseberichten zum Start des Projekts, hat das Team mittlerweile eher mit zu wenig Interesse an dem Thema zu kämpfen. Andere erklären sich bereit, einen Geflüchteten bei sich aufzunehmen, allerdings nur wenn er auch vegan ist, berichtet Mitgründer Jonas Kakoschke.

Während die einen schon gelangweilt sind, geht es bei den anderen erst los

Erstaunlich ist deshalb auch der Erfolg von „Flüchtlinge Willkommen” im Ausland. In etwas mehr als zwei Jahren hat es das Projekt geschafft, in 13 weitere Länder zu expandieren. Und dafür musste das deutsche Gründungsteam noch nicht einmal selbst Werbung machen. 

Die Interessierten aus dem Ausland kamen auf sie zu. Mittlerweile gibt es „Refugees Welcome” auch in Griechenland, Portugal, Spanien, Schweden, Polen, Italien, Tschechien, Österreich, Rumänien, Kanada, Nordirland und den Niederlanden. Und vor zwei Wochen ging auch noch das australische Team an den Start.

Auch in Österreich hat "Flüchtlinge Willkommen" mehr als 350 Geflüchteten ein Zimmer organisiert. In den anderen Ländern sind die Vermittlungszahlen deutlich geringer. Aber viele Ableger sind schließlich auch erst vor Kurzem gestartet oder bewegen sich in anderen gesetzlichen Rahmenbedingungen. 

In Deutschland wird der Begriff „Willkommenskultur” von immer mehr Menschen negativ verstanden. Umso erstaunlicher ist es, zu sehen, wie eine Idee, die in Berlin-Wedding einst spontan entstand, weil eine WG einen neuen Mitbewohner suchte, nun weltweit Nachahmer findet für ihren Ansatz, dass Ankommen zu erleichtern.