Sie sind hier

Umfrage der Vodafone Stiftung

Warum sich deutsche Lehrer kaum noch weiterbilden

von
#Schule, #Lehrer, #Weiterbildung, #Lebenslanges Lernen

Einer neuen Studie zufolge bilden sich Lehrer in Deutschland kaum weiter. Das liegt nicht nur an passiven Verwaltungen, sondern auch an zu kurz denkenden Eltern. Höchste Zeit, das sich das ändert

Lehrerinnen und Lehrer vermitteln täglich Wissen. Man könnte nun meinen, dass gerade bei ihnen die lebenslange Weiterbildung besonders wichtig genommen würde und dass Schulen alles dafür täten, gute Möglichkeiten dafür zu schaffen. Doch diese Annahme wäre naiv, wie eine neue Studie der Vodafone Stiftung zeigt.

Weiterbildung für Lehrer? Kein Interesse 

Nur drei Prozent der befragten Lehrer bewerten die Lernkultur an ihrer Schule als gut oder sehr gut. Ganze 12 Prozent geben an, in Fortbildungsfragen durch ihre Vorgesetzen beraten zu werden. Gerade mal etwas mehr als ein Viertel (27 Prozent) der Befragten stuft Weiterbildung, Innovationsfähigkeit und Lernen als wichtig beim eigenen Arbeitgeber ein. Und 70 Prozent der befragten Lehrer geben an, keine Auswirkungen auf ihre berufliche Zukunft zu befürchten, wenn sie sich nicht fortbilden.

Wie ist das möglich? Wie können ausgerechnet Institutionen des Wissens so hinterherhinken und so wenig Wert auf die Fortbildung ihres eigenen Personals legen? Und wie lässt sich das ändern?

"Weiterbildung wird als Belastung der Schule empfunden"

Marlis Tepe, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, sieht das Problem darin, dass in den letzten 15 Jahren stets der Unterrichtsausfall im Fokus der Betrachtung gestanden habe und nicht das Können der Lehrkräfte. Gegenüber EduAction erklärte sie: „Eltern schauen darauf, dass kein Unterricht ausfällt und wenn doch Stunden ausfallen wegen einer Fortbildung, sehen sie das als Problem an."

Früher sei es üblicher gewesen für Lehrer, an Fortbildungen teilzunehmen. "Jetzt ist es eher so, dass Weiterbildungen als eine Belastung für die Schule empfunden werden, weil dann Vertretungsunterricht gegeben werden muss", so Tepe. Dazu passt, etwa die Hälfte der Lehrer in der Umfrage angibt, dass es ihr schwer falle, Lernen in ihre Arbeitszeit zu integrieren. 

Höchste Zeit, dass Fortbildungen für Lehrer normal werden

Es ist paradox: Vor lauter Panik vor Unterrichtsausfällen bekommen Lehrerinnen und Lehrer offenbar kaum noch Möglichkeiten ihr eigenes Wissen auf einen aktuellen Stand zu bringen.

"Wir als Gewerkschaft fordern, dass für Fortbildung Zeit eingeplant werden muss", erklärt Marlis Tepe. Die Schulverwaltungen müssten sich "darum kümmern, dass Weiterbildung ein Bestandteil des Lehreralltags wird.“ Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, könnte man meinen.